Wie singen in Corona-Zeiten?

© Bayerischer Rundfunk/dpa
Eine Sängerin singt in einem Versuchsaufbau, bei dem Reichweiten der Aerosole gemessen werden. Um die Übertragung des Coronavirus beim Singen zu vermeiden, sollten Chorsänger einer Studie zufolge reichlich Abstand zueinander halten und den Probenraum ständig lüften. Beim Singen können sogenannte Aerosole, also Gemische aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen - wie Partikel des Coronavirus Sars-CoV-2 – bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden.

Corona-Ansteckungsrisiko in Chören - Erste Studienergebnisse vom BR-Chor

Trennwände zwischen Sängern, permanent gelüftete Räume und mehr Abstand nach vorne: Der Chor des Bayerischen Rundfunks hat zusammen mit Wissenschaftlern das Corona-Ansteckungsrisiko beim Singen untersucht - nun liegen erste Ergebnisse vor.

Forscher der Unikliniken in München und Erlangen haben untersucht, wie sich kleinste Flüssigkeitspartikel aus der Atemluft von Sängern im Raum verbreiten. Die sogenannten Aerosole stellen ein Risiko für eine Infektion mit Covid-19 dar. Andere Studien zeigen, dass beim Singen zehn Mal mehr Aerosole entstehen als beim Ausatmen und drei Mal mehr als beim Sprechen. Bei professionellen Sängern kann sogar die 50-fache Menge Aerosol ausgestoßen werden. Die Forscher empfehlen:

- 2 bis 2,5 Meter Abstand nach vorne zum nächsten Sänger
- je 1,5 Meter Abstand seitlich
- kontinuierliche Durchlüftung des Raums oder das Singen im Freien
- Tragen von Mund-Nasen-Schutz hält zumindest größere Tröpfchen ab
- ausreichend große Probenräume

Zentrale Frage dabei:
Wie ist das Singen in Corona-Zeiten - mit Blick auf die Abstände der Chormitglieder zueinander und auf das Raumklima - gesundheitlich verantwortbar? 

Die Auswertung der Messungen über die abgestrahlten Aerosol-Wolken habe ergeben, dass Chormitglieder zu ihren vorderen Kollegen einen größeren Abstand einhalten sollten als zur Seite, teilte der BR weiter mit. Für die Sicherheit der Sänger sei es außerdem wichtig, den Raum permanent zu lüften, damit Aerosole entfernt würden. Beteiligt an der Testreihe waren Mediziner und Strömungsmechaniker der LMU München und des Uniklinikums Erlangen. Die Studie ist noch nicht veröffentlicht.

Nach vorne empfiehlt Matthias Echternach, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am LMU Klinikum München und selbst ausgebildeter Sänger, einen Sicherheitsabstand von zwei bis zweieinhalb Metern zwischen den Sängern. Zur Seite hin könnten die Abstände geringer gewählt werden, etwa eineinhalb Meter. Besser wären zudem noch Trennwände zwischen den Sängern.

Tests mit Mundschutz hätten ergeben, "dass wenn mit chirurgischen Masken gesungen wird, die großen Tröpfchen zwar komplett und die Aerosole zum Teil herausgefiltert werden, ein Teil der Aerosole aber leicht strahlartig nach oben und zur Seite austraten", sagte der Erlanger Strahlenmechaniker Stefan Kniesburges. Singen mit Maske wäre durch die Verminderung der Partikelaustritte eine Option zumindest für Laien- und Kirchenchöre, sagte Echternach. Bei Profichören dagegen würde die Klangqualität zu sehr leiden.

Chöre haben sich in der Vergangenheit immer wieder als Corona-Hotspots herausgestellt. Da aber bisher noch wenig belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse existieren, habe der BR fachlichen Rat bei Wissenschaftlern gesucht, um selbst eine aufwendige Testreihe zu starten und die Ausbreitung und Verteilung von größeren Tröpfchen und Kleinstpartikeln - den sogenannten Aerosolen - beim Singen und Sprechen zu messen.

"Die Studie gibt uns mehr Klarheit, um Abstandsregeln und Klimaverhältnisse in Räumen besser einschätzen zu können, und wir möchten unsere Erkenntnisse allen zur Verfügung stellen, nicht zuletzt den Entscheidungsträgern für neue allgemeingültige Vorgaben", sagte Susanne Vongries, Managerin des Chores des BR.

Quelle:
Pressemitteilung des BR - aus: https://www.evangelisch.de/print/172191  abgerufen am 15.7.2020, 17:55 Uhr


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